Die meisten Budgets scheitern nicht am Rechnen. Sie scheitern daran, dass die seltenen Kosten fehlen — Versicherung einmal im Jahr, Zahnarzt, kaputtes Handy, die Fahrt nach Hause an Weihnachten. Und weil die fehlen, stimmt der Monat, und das Jahr stimmt trotzdem nicht.
Deshalb hat diese Tabelle vier Blöcke statt zwei. Der dritte ist der, den alle vergessen.
Die Tabelle
Block 1 — Was reinkommt
| Posten | € pro Monat |
|---|---|
| Nettogehalt / Ausbildungsvergütung | |
| BAföG / BAB | |
| Nebenjob | |
| Wohngeld / Kindergeld / Unterhalt | |
| Summe Einnahmen |
Block 2 — Was jeden Monat rausgeht (fix)
| Posten | € pro Monat |
|---|---|
| Warmmiete | |
| Strom (falls nicht in der Warmmiete) | |
| Internet / Mobilfunk | |
| Rundfunkbeitrag | |
| Krankenversicherung (falls selbst zu zahlen) | |
| Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat, …) | |
| Nahverkehr / Auto (Sprit, Versicherung, Steuer) | |
| Abos (Streaming, Fitness, Software, Cloud) | |
| Kreditraten | |
| Summe Fixkosten |
Block 3 — Was einmal im Jahr kommt (geteilt durch 12 — das ist der Block, der fehlt)
| Posten | € pro Jahr | ÷ 12 |
|---|---|---|
| Versicherungen mit Jahresbeitrag | ||
| Nebenkostennachzahlung (Erfahrungswert) | ||
| Zahnarzt, Brille, Zuzahlungen | ||
| Reparaturen und Ersatzgeräte | ||
| Fahrten nach Hause, Geschenke, Feiern | ||
| Urlaub | ||
| Kleidung und Schuhe | ||
| Summe Rücklage |
Block 4 — Was übrig bleibt
| € pro Monat | |
|---|---|
| Einnahmen | |
| − Fixkosten | |
| − Rücklage (Block 3 ÷ 12) | |
| = Alltagsgeld (Essen, Ausgehen, alles andere) |
Die zwei Zahlen, auf die es ankommt
Fixkostenquote = Fixkosten ÷ Einnahmen.
Unter 50 % ist das Leben gestaltbar. Über 70 % ist jeder Monat eine knappe Sache, und ein kaputtes Handy wird zum Kredit. Die Quote lässt sich fast nur an drei Stellen senken: Miete, Auto, Abos. An allen anderen Stellen holt man Kleingeld.
Rücklagenquote = Block 3 ÷ Einnahmen.
Wer sie unterschätzt, spart nicht — er verschiebt. Realistisch sind bei den meisten jungen Haushalten 10 bis 15 %, und fast alle setzen sie auf null, weil die Kosten nicht im Monat sichtbar sind.
Drei Haushalte, die es wirklich gibt
Die Struktur ist das Haltbare, die Beträge sind es nicht. Deshalb stehen die Anteile hier und die Euro-Beträge im Kasten darunter.
Haushalt 1 — Azubi, erste eigene Wohnung, kleine Stadt
| Block | Anteil an den Einnahmen |
|---|---|
| Warmmiete | ~ 40 % |
| übrige Fixkosten | ~ 20 % |
| Rücklage | ~ 10 % |
| Alltagsgeld | ~ 30 % |
Der Hebel: Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) und Wohngeld. Beide werden regelmäßig nicht beantragt, weil „das ist doch für andere“. Ein großer Teil der Berechtigten stellt keinen Antrag (→ Kap. 25). Der zweite Hebel ist das Auto: Wer eines hat, verschiebt damit rund ein Fünftel des Budgets.
Haushalt 2 — Studium, Zimmer in einer WG, Großstadt
| Block | Anteil an den Einnahmen |
|---|---|
| Zimmer warm | ~ 45 % |
| übrige Fixkosten | ~ 15 % |
| Rücklage | ~ 10 % |
| Alltagsgeld | ~ 30 % |
Der Hebel: Semesterticket ist meist im Beitrag enthalten — dafür ist das Einkommen unregelmäßig. Wer Minijob und BAföG kombiniert, muss die Verdienstgrenze kennen, sonst wird die Förderung gekürzt (→ Kap. 25). Und die Nebenkostennachzahlung trifft WGs härter, weil sie durch die Zahl der Zimmer geteilt wird, nicht durch die Zahl der Duschen.
Haushalt 3 — erster Vollzeitjob, eigene Wohnung
| Block | Anteil an den Einnahmen |
|---|---|
| Warmmiete | ~ 35 % |
| übrige Fixkosten | ~ 20 % |
| Rücklage | ~ 15 % |
| Alltagsgeld | ~ 30 % |
Der Hebel: Hier ist zum ersten Mal etwas übrig — und genau hier passiert der teuerste Fehler des Jahrzehnts. Das erste volle Gehalt fühlt sich nach Spielraum an, und die Fixkosten wachsen mit: größere Wohnung, Auto auf Raten, drei neue Abos. Wer die Fixkostenquote beim Gehaltssprung nicht mitwachsen lässt, hat in zwei Jahren einen Notgroschen. Wer sie mitwachsen lässt, hat in zwei Jahren dasselbe Konto und höhere Verpflichtungen.
Die Kontenstruktur, die das ohne Disziplin erledigt
Budgets scheitern an Willenskraft. Konten nicht.
- Girokonto — hier kommt alles an, hier gehen alle Fixkosten ab
- Rücklagenkonto — Dauerauftrag am Tag nach dem Gehaltseingang, in Höhe von Block 3 ÷ 12. Kein Zugriff per Karte
- Alltagskonto — der Rest, per Dauerauftrag. Was hier drauf ist, darf ausgegeben werden, ohne dass jemand rechnet
Der ganze Trick liegt im Datum: Die Daueraufträge laufen am Tag nach dem Gehaltseingang, nicht am Monatsende. Was am Monatsende gespart wird, wird nicht gespart.